Holm Putzke Dissertation Help

 

Rezension zu Thomas Rotsch, Strafrechtliche Klausurenlehre, Verlag Franz Vahlen, München 2013; in: Juristische Arbeitsblätter (JA) 11/2013, S. IVV

 

Rezension zu Hans Kudlich / Mustafa Temmuz Oglakcioglu, Wirtschaftsstrafrecht, Verlag C.F. Müller, Heidelberg 2011; in: Goltdammer’s Archiv für Strafrecht (GA) 2013, S. 243246

 

Rezension zu Thomas Exner, Sozialadäquanz im Strafrecht. Zur Knabenbeschneidung, Duncker & Humblot: Berlin 2011, in: Medizinrecht (MedR) 2012, S. 229 f.

 

Rezension zu Rudolf Rengier, Strafrecht Allgemeiner Teil, C.H. Beck: München 2009, in: Juristische Schulung (JuS) 1/2010, S. XXI

 

Rezension zu Jochen Schneider: Die männliche Beschneidung (Zirkumzision) Minderjähriger als verfassungs- und sozialrechtliches Problem, dissertation.de – Verlag im Internet, Berlin 2008, in: Zeitschrift für Internationale Strafrechtsdogmatik (ZIS) 2009, S. 177–187 (dazu Zenthöfer, „Ein stark beschnittenes Kapitel“, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10. Juni 2009 [Nr. 132], S. N 5)

Diese Dissertation erfüllt nicht einmal im Ansatz die Standards, denen eine wissenschaftliche Arbeit genügen muss. Neben den formalen Fehlern und Merkwürdigkeiten fehlt es ihr über weite Strecken an Plausibilität und flächendeckend an wissenschaftlicher Akribie – von rhetorischem Schwung ganz zu schweigen. Wohlgemerkt: Niemand ist gefeit davor, Fehler zu machen – sie finden sich nahezu in jeder Arbeit. Und kein redlicher Rezensent wird sich an verstreuten Formatierungs- oder Rechtsschreibfehlern ergötzen. Aber Schneider hat die Toleranzgrenze allzu weit überschritten.

 

 

Michael Walter: Gewaltkriminalität. Erscheinungsformen – Ursachen – Antworten, Stuttgart u.a. 2006 (Richard Boorberg Verlag), in: Polizei-Newsletter (März 2008), http://www.polizei-newsletter.de/books_german.php

[…] Gewaltkriminalität lässt sich in einem kleinen Buch, dessen Adressaten nicht allein Fachleute sein sollen, sicher nicht so umfassend darstellen, wie das dem gleichen Autor etwa im 2007 erschienenen Werk „Internationales Handbuch der Kriminologie“ (hrsg. von Hans Joachim Schneider) gelungen ist. Gewaltkriminalität kann gleichwohl prägnant und verständlich dargestellt werden, wie etwa der Text von Hauke Brettel im 2008 erschienenen Werk „Göppinger, Kriminologie“ zeigt (S. 474–502). Dem Buch von Michael Walter hingegen fehlt im Großen und Ganzen eine innere Struktur, die den Leser in die Lage versetzte, die zahlreichen Informationen und klugen Gedanken des Autors zu erfassen und zu verarbeiten.

 

 

Kurt Meixner / Dirk Fredrich: Hessisches Gesetz über die öffentliche Sicherheit und Ordnung (HSOG) mit Erläuterungen und ergänzenden Vorschriften, 10. Aufl., Stuttgart u.a. 2005 (Richard Boorberg Verlag), in: Polizei-Newsletter (Januar 2008), http://www.polizei-newsletter.de/books_german.php

[…] Die geäußerte Kritik vermag an dem generell positiven Eindruck nichts zu ändern. Es handelt sich bei dem Taschenkommentar von Meixner/Fredrich um ein solides und gründliches Werk, das insbesondere für Praktiker kaum eine Frage offen lässt.

 

 

Werner Beulke: Klausurenkurs im Strafrecht III, Ein Fall- und Repetitionsbuch für Examenskandidaten, Verlag C.F. Müller, 2. Aufl., Heidelberg 2006, in: Goltdammer’s Archiv für Strafrecht (GA) 2007, S. 120–124

[…] Unterm Strich ist das Buch von Beulke zu empfehlen. Auf dem Gebiet des Straf- und Strafprozessrechts gibt es nichts Vergleichbares. Die zuvor geäußerte Kritik schmälert den Wert des Klausurenkurses kaum, denn die Mehrheit der Prüfer und Korrektoren lässt das Gängige meist unkritisch gelten. Das ist schade für die wissenschaftliche Erkenntnis, aber im Zweifel eher gut für die Studenten. Sie werden das Buch aber nicht nur wegen des Inhalts und der sprachlichen Gestaltung schätzen, sondern zudem profitieren von den zahlreichen Querverweisen zu den Büchern aus der Reihe »Schwerpunkte« zum Strafrecht und Strafprozessrecht. Betont werden muss der Hinweis aus dem Vorwort, dass der Klausurenkurs sich „speziell an Examenskandidaten wendet“. Wer das missachtet, könnte sich angesichts des hohen Niveaus leicht überfordert fühlen und das Buch enttäuscht weglegen. Für den „wirklichen“ Examenskandidaten ist der „Klausurenkurs im Strafrecht III“ goldwert; und es gibt einen guten Grund mehr, um zu sagen: Die Fall- und Repetitionsbücher von Werner Beulke ersparen den Gang zum kommerziellen Repetitor.

 

Wolfram Lübkemann: Strafrecht, Strafverfahrensrecht, Ordnungswidrigkeitenrecht, Lehr- und Arbeitsbuch in praxisbezogener Darstellung; Hilden/Rhld. 2005; in: Kriminalistik 11/2006, S. 682

[…] Als Fazit lässt sich sagen: Das Buch von Lübkemann hat Höhen und Tiefen. Das Kapitel zum Strafrecht „Allgemeiner Teil“ bedarf dringend einer umfassenden konzeptionellen Überarbeitung. In den anderen Kapiteln sind die praktischen Erfahrungen des Autors und sein Wissen um die Bedürfnisse der Polizeiausbildung zu spüren. Hinzu kommt die anschauliche Darstellung des Stoffes, die anderen Lehrbüchern als Vorbild dienen sollte. Um das Lehrbuch von Lübkemann uneingeschränkt empfehlen zu können, müsste es jedoch thematisch deutlich entrümpelt, von Ungenauigkeiten befreit und inhaltlich mehr auf den Punkt gebracht werden.

 

 

Joachim Burgheim / Hermann Friese: Sexualdelinquenz und Falschbezichtigung – Eine vergleichende Analyse realer und vorgetäuschter Sexualdelikte, Frankfurt a.M. 2006, in: Polizei und Wissenschaft 4/2006, S. 63–66

[…] Zusammenfassend lässt sich mit den Autoren sagen: „Das Problem, Falschbezichtigungen rechtzeitig als solche zu identifizieren, wird sich nicht statistisch lösen lassen“. Das war auch nicht das Ziel der Studie, vielmehr hat sie – trotz der methodischen und inhaltlichen Kritik – weitere Mosaiksteine für Wahrscheinlichkeitsaussagen geliefert. Allerdings dürfen sie nicht herangezogen werden, um Sachverhalte schematisch klären zu wollen – das würde weitere Fehlentscheidungen provozieren. Eine Hilfestellung können die Ergebnisse dann sein, wenn sie dazu führen, genauer hinzuschauen und Widersprüchlichkeiten der Schilderung zu hinterfragen. Für gut ausgebildete Ermittler und spezialisierte Strafverteidiger bietet die Studie daher interessante Ergebnisse und kann bei Polizei und Justiz helfen, die schwierige Entscheidung abzusichern, ob es sich um ein „echtes“ oder „falsches“ Sexualdelikt handelt.

 

 

Max Hermanutz / Sven Max Litzcke: Vernehmung in Theorie und Praxis. Wahrheit – Irrtum – Lüge; Stuttgart u.a. 2006 (Richard Boorberg Verlag), in: Polizei-Newsletter (August 2006), http://www.polizei-newsletter.de/books_german.php

[…] Das Buch ist nicht nur für Polizeibeamte, bei denen Vernehmungen zum Tagesgeschäft gehören, ein Muss, sondern uneingeschränkt zu empfehlen auch für Staatsanwälte, Strafverteidiger und Richter. Vor allem die zuletzt genannte Berufgruppe glaubt leider allzu oft, bei Vernehmungen blind die Ergebnisse von Polizei oder Staatsanwaltschaft nutzen und eigene Vernehmungen „en passant“ erledigen zu können. Das ist meist ein fataler Irrtum. Dafür werden viele polizeiliche und staatsanwaltschaftliche Vernehmungen einfach zu unprofessionell durchgeführt. An dieser Stelle will und kann das Buch von Hermanutz/Litzcke Abhilfe schaffen. Allein durch dessen Lektüre wird man aber die Gunst der „spröden Schönen“ nicht erringen; vielmehr sind intensives Training und kontinuierliche Fortbildung unverzichtbar.

Holm Putzke (* 1973 in Dohna) ist ein deutscherRechtswissenschaftler, Hochschullehrer und Kommunalpolitiker (CSU). Seit 2010 ist er Inhaber einer Lehrprofessur für Strafrecht an der Universität Passau, seit 2016 zudem außerplanmäßiger Professor für Strafrecht, Strafprozessrecht und Wirtschaftsstrafrecht an der privaten EBS Universität für Wirtschaft und Recht in Oestrich-Winkel. Der Öffentlichkeit bekannt wurde er im Jahr 2012 als Urheber der Debatte um die religiöse Knabenbeschneidung. Seit 2017 ist er Vorsitzender des CSU-Kreisverbandes Passau-Stadt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1992 bis 1997 studierte Putzke Rechtswissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum. 1997 legte er die erste juristische Staatsprüfung ab. Ebenfalls an der Ruhr-Universität Bochum war er Mitarbeiter am Lehrstuhl für Strafrecht und Strafprozessrecht von Ellen Schlüchter (1995 bis 1999) und am Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht und Allgemeine Rechtstheorie von Rolf Dietrich Herzberg (2002 bis 2003). Zwischen 2003 und 2010 war er wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft von Thomas Feltes.

In den Jahren 2000 bis 2002 war Putzke Rechtsreferendar an den Landgerichten Bochum und Dortmund und legte 2002 die zweite juristische Staatsprüfung ab. 2003 promovierte ihn die Juristische Fakultät der Ruhr-Universität Bochum. Im selben Jahr studierte er polnisches Wirtschaftsrecht an der Uniwersytet Jagielloński in Krakau, die ihm 2009 den akademischen Grad „Legum Magister“ (LL.M.) verlieh. Von 2006 bis 2010 hatte er einen Lehrauftrag für Strafrecht, Strafprozessrecht und Jugendstrafrecht im Masterstudiengang „Kriminologie und Polizeiwissenschaft“ an der Ruhr-Universität Bochum inne. Seit 2010 ist Putzke ohne vorherige Habilitation Inhaber einer Professur für Strafrecht an der Universität Passau (Lehrprofessur)[1] und ist Mitglied des dortigen Instituts für Rechtsdidaktik.[2] Seit 2016 ist er zudem außerplanmäßiger Professor für Strafrecht, Strafprozessrecht und Wirtschaftsstrafrecht an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht.[3] Seit September 2016 ist er Studiendekan der Juristischen Fakultät in Passau.[4]

Als Sachverständiger war Putzke tätig u. a. für die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, die Europäische Union sowie den Rechtsausschuss[5] des Landtags Nordrhein-Westfalens und den Innenausschuss[6] des Deutschen Bundestags. Putzke ist Beiratsmitglied der evolutionär-humanistischenGiordano-Bruno-Stiftung[7] und Vertrauensdozent der Konrad-Adenauer-Stiftung an der Universität Passau.

Während seiner Studien- und Promotionszeit war Putzke Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung und während seines Studiums an der Jagiellonen-Universität in Krakau Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes.

Seit März 2015 ist er stellvertretender Vorsitzender des Bundessport- und Schiedsgerichts des Bundes Deutscher Radfahrer.[8]

Putzke übernimmt als Strafverteidiger gelegentlich medienwirksame Fälle. So vertritt er einen 22-Jährigen, der wegen der Tötung seiner Lebensgefährtin wegen Mordes angeklagt war und vom Landgericht Passau entsprechend dem Vorbringen der Verteidigung lediglich wegen Totschlags zu 12 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Der Fall hatte insbesondere wegen der Flucht des Täters zusammen mit dem 18-monatigen gemeinsamen Sohn nach Spanien für Schlagzeilen gesorgt. Die Staatsanwaltschaft kündigte Revision an.[9]

Putzke ist Mitherausgeber der Schriftenreihe Bochumer Schriften zur Rechtsdogmatik und Kriminalpolitik, der Zeitschrift für das Juristische Studium, der Schriften zur rechtswissenschaftlichen Didaktik, des Beck'schen Onlinekommentars zum Jugendgerichtsgesetz und des NomosKommentars zum Anti-Doping-Gesetz. Außerdem gehört er der Redaktion der Zeitschrift für Internationale Strafrechtsdogmatik an.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Jahren 1989/1990 war Putzke Geschäftsführer der „Partei des Demokratischen Aufbruchs“ im Landkreis Pirna/Sebnitz sowie Vorsitzender und Pressesprecher der „Jugend des Demokratischen Aufbruchs“. Von 1991 bis 1992 war er Geschäftsführer und Mitglied des Kreisvorstandes der Jungen Union in Pirna. Von Januar 1994 bis Februar 1995 war Putzke stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbandes Liberaler Hochschulgruppen[10] und von 1996 bis 2017 Mitglied der CDU.[11] 2015 trat er in die CSU ein, im April 2016 wurde er Beisitzer im Kreisvorstand der CSU Passau-Stadt[12] und im Mai 2017 Vorsitzender dieses Kreisverbandes.[13] Zudem ist er Bezirksvorsitzender des CSU-Arbeitskreises Juristen (AKJ) Niederbayern und Mitglied im Landesvorstand des AKJ.[14]

Nach den Verlusten der CSU bei der Bundestagswahl 2017 warf Putzke seinem Parteivorsitzenden Horst Seehofer in der Süddeutschen Zeitung vor, er verschwende seine Energie damit, zu versuchen, Markus Söder „kaltzustellen“. Seehofer müsse sich am drohenden Debakel bei der Landtagswahl 2018 messen lassen.[15]

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Putzke äußerte sich im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Rechtslehrer, Strafverteidiger und Politiker wiederholt öffentlich zu rechts- bzw. tagespolitischen Fragen:

Beschneidung von Jungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor Inkrafttreten von § 1631d BGB hat Putzke in mehreren wissenschaftlichen Fachartikeln (erstmals in der im Februar 2008 erschienenen Festschrift für Rolf Dietrich Herzberg) die Rechtsauffassung vertreten, dass medizinisch nicht notwendige Jungenbeschneidungen den Straftatbestand der Körperverletzung erfüllen, darunter auch die religiöse Beschneidung von Knaben[16]. Das Urteil des Landgerichts Köln, das eine Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen als rechtswidrige Körperverletzung einstufte, hat er begrüßt[17] und seine Verbreitung gefördert.[18] Der Bundestag beschloss am 12. Dezember 2012 nach kontroverser Debatte mit 434:100 Stimmen bei 46 Enthaltungen ein Gesetz, das Knabenbeschneidungen unter bestimmten Voraussetzungen weiterhin erlaubt. Putzke hält das Gesetz für verfassungswidrig und warf dem Bundestag vor, etwa mit Blick auf die Zweckklausel „legislatorischen Nonsens“ geschaffen zu haben. Die Einschätzung der Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger, bei den parlamentarischen Beratungen habe es sich um eine „Sternstunde“ gehandelt, bewertete Putzke als „puren Zynismus“. Nach Putzkes Auffassung ebne das Beschneidungsgesetz der weiblichen Genitalverstümmelung den Weg.[19] Im Zusammenhang mit der Beschneidungsdebatte hat Putzke u.a. wegen einer anonymen Beleidigung auf Facebook Strafanzeige erstattet. Im Zuge der Ermittlungen kam es bei einem minderjährigen jüdischen Verdächtigen zu einer rechtswidrigen Hausdurchsuchung durch Staatsschutzbeamte.[20]

Betäubungsmittelstrafbarkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Putzke kritisiert die Prohibition bestimmter Drogen und ist Unterzeichner einer Resolution[21] deutscher Strafrechtsprofessoren, die sich im Bündnis „Schildower Kreis“ u.a. für eine Legalisierung von Cannabis ausgesprochen haben.[22][23][24] Die Bestrafungspraxis bei Erwachsenen sei exzessiv und unverhältnismäßig.[25] In wenigen Jahren werde es auch in Deutschland eine kontrollierte Freigabe geben. [26]

Polygrafische Untersuchungen („Lügendetektoren“)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Putzke tritt für die Zulassung von polygrafischen Untersuchungen (umgangssprachlich „Lügendetektor“) als Beweismittel in deutschen Strafverfahren ein.[27][28] In einem Verfahren vor dem Landgericht Paderborn, in dem Putzke den Angeklagten als Strafverteidiger vertrat, lehnte das Gericht die polygrafische Untersuchung als geeignetes Beweismittel ab und verurteilte den Angeklagten.[29] In einem Verfahren vor dem Schöffengericht Bautzen, in dem Putzke ebenfalls als Verteidiger auftrat, wurde der Polygraf hingegen als Beweismittel zugelassen und der Angeklagte freigesprochen.[30][31] Das Bundesverwaltungsgericht befand jedoch unter Bestätigung der entsprechenden Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes, dass das Bautzener Urteil nicht ausreichend zur Frage eines festen Zusammenhangs zwischen einem bestimmten Aussageverhalten und spezifischen Reaktionsmustern des vegetativen Nervensystems Stellung nimmt. Der Lügendetektor ist im Verwaltungsgerichtsverfahren ebenso unzulässig wie im Strafprozess.[32] In einer weiteren Entscheidung des Amtsgerichts Bautzen hielt dieses an seiner Auffassung fest.[33]

Sterbehilfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer gemeinsamen Stellungnahme sprach sich Putzke zusammen mit 141 deutschen Strafrechtsprofessoren gegen eine Ausweitung der Strafbarkeit des assistierten Suizids aus.[34]

Genderfragen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zusammenhang mit dem Ausschluss von Frauen an der Teilnahme bei einem Fensterln-Wettbewerb des Universitätssportfests warnte Putzke öffentlich vor „Genderismus“, da die Gleichstellungsbeauftragte der Universität den Ausschluss als „sexistisch“ bezeichnet hatte. Auswärtigen Betrachtern erschien der Vorgang zumindest als provinzielle Kuriosität. Putzke vertrat den Standpunkt, dass die Gleichstellungsbeauftragte „außerhalb ihrer Zuständigkeit gehandelt“ und „den berechtigten Belangen von Gleichberechtigung und -stellung einen Bärendienst“ erwiesen habe. Universitätspräsident Burkhard Freitag stellte hingegen fest, dass sie „richtig und kompetent gehandelt“ habe, da sie „für die Umsetzung des Gleichstellungskonzepts verantwortlich“ sei.[35]

Flüchtlingskrise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise in Deutschland ab 2015 erklärte Putzke im Oktober 2015, dass es widersprüchlich sei, wenn Personen als Schleuser verfolgt werden, die nach der Entscheidung der Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Aufhebung des Weiterreiseverbots Flüchtlinge über die deutsche Grenze gebracht haben, während Zugführer, Bus- oder Taxifahrer Flüchtlinge ungestraft über die Grenze transportieren konnten. "Möglicherweise" habe sich in diesem Zusammenhang auch die deutsche Bundeskanzlerin des Einschleusens von Ausländern nach § 96 Abs. 1 Nr. 1 Aufenthaltsgesetz bzw. der öffentlichen Aufforderung dazu nach § 111 Strafgesetzbuch schuldig gemacht, weil sie sich nicht an geltendes Recht gehalten habe.[36][37] Gleichzeitig distanzierte sich Putzke von diesbezüglichen Strafanzeigen gegen Angela Merkel und bezeichnete Anzeigen wegen Hochverrats als "substanzlos".[38]

Christian Bommarius wertete die rechtliche Würdigung Putzkes als Unterstützung für eine Strafanzeige der rechtspopulistischen AfD gegen Merkel und warf ihm vor, die Lage der Flüchtlinge und den daraus resultierenden rechtfertigenden Notstand nach § 34 nicht hinreichend berücksichtigt zu haben.[39] Das jüdische Online-Portal Hagalil kommentierte Putzkes Standpunkt, dass bei der Hilfe für Flüchtlinge geltendes Recht eingehalten werden müsse, dahingehend, dass es wenig realitätsnah sei, Flüchtlingen das Abwarten eines entsprechenden Gesetzgebungsverfahrens zuzumuten.[40] Putzke warf solchen Kritikern vor, sich offenbar keine große Mühe gemacht zu haben, seine Stellungnahme verständig zu lesen, und bezeichnete die Kritik als „juristisch oberflächlich“ sowie „offenkundig absichtsgeleitet“.[41]

Im Dezember 2015 erneuerte Putzke seine strafrechtlichen Bedenken gegen die Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerinin in einem Interview mit der Passauer Neuen Presse und kritisierte zugleich, dass zu wenig für die Integration von Flüchtlingen getan werde. Es müsse massiv in Sprachkurse und Bildung investiert werden. Zudem sprach er sich für eine aufgeklärte Einwanderungspolitik und ein Einwanderungsgesetz aus. Auch sei eine Begrenzung des ungeregelten Zustroms nötig.[42]

Im Februar 2016 bestritt Putzke in einem gemeinsam mit Alexander Peukert, Christian Hillgruber und Ulrich Foerste verfassten Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die Rechtskonformität einer „Politik offener Grenzen“, vor allem unter Verweis auf Art. 20 Abs. 4 der Dublin III-Verordnung. Die Durchführung eines Zuständigkeitsprüfungsverfahrens obliege danach Österreich, weshalb Deutschland die Einreise verweigern dürfe. Die Stellung eines internationalen Schutzantrags an der deutsch-österreichischen Grenze begründe keineswegs eine Pflicht zur Einreiseerlaubnis. Die Rückkehr zum Recht sei „weder inhuman noch politische Schwäche“; die Stärke einer Demokratie zeige sich nicht zuletzt in ihrer Fähigkeit zur Selbstkorrektur.[43]

Bei einer öffentlichen CSU-Veranstaltung im Mai 2016 forderte Putzke eine „gelebte Willkommenskultur“, kritisierte aber zugleich deren internationale, selbstbezogene Zelebrierung als „fatales Signal“. Er sprach in diesem Zusammenhang davon, dass sächsische Verwandte von ihm bei Pegida mitmarschierten. Dabei seien diese Menschen keine „Rechten“, sondern fühlten sich mit ihrer „differenzierten Meinung“ nicht mehr in der politischen Mitte aufgehoben und verspürten subjektiv Ängste, die objektiv nicht zu begründen seien.[44]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monografien und Lehrbücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Putzke: Beschleunigtes Verfahren bei Heranwachsenden: Zur strafprozessualen Ausprägung des Erziehungsgedankens in der Adoleszenz (= Bochumer Schriften zur Rechtsdogmatik und Kriminalpolitik. Band 1). Felix, Holzkirchen/Obb. 2004, ISBN 3-927983-71-3 (zugl. Dissertation, Bochum, 2003). 
  • Putzke/Scheinfeld: Strafprozessrecht (= Jura-Kolleg). Nomos, Baden-Baden 2005 (6. Auflage (= Jurakompakt). Beck, München 2015, ISBN 978-3-406-67573-7). 
  • Putzke: Juristische Arbeiten erfolgreich schreiben (= Jurakompakt). Beck, München 2007 (5. Auflage 2014, ISBN 978-3-406-67260-6). 
  • Putzke/Feltes: Jugendstrafrecht (= Kriminologische Studienliteratur. Band 1). Felix, Holzkirchen/Obb. 2012, ISBN 978-3-86293-900-8. 
  • Hardtung/Putzke: Examinatorium Strafrecht AT (= JuS-Schriftenreihe. Band 198). Beck, München 2016, ISBN 978-3-406-65783-2. 

Kommentierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Putzke: §§ 3, 4, 5, 6 und 12 JGG. In: Lehner/Nolte/Putzke (Hrsg.): NomosKommentar zum Anti-Doping-Gesetz. 2017. 
  • Putzke: §§ 1, 2, 4, 5, 6 und 15 JGG. In: Gertler/Kunkel/Putzke (Hrsg.): Beck’scher Online-Kommentar zum Jugendgerichtsgesetz. 2015. 
  • Putzke: Einleitung, §§ 284–297 (§§ 284 bis 287 zusammen mit Christina Putzke). In: Leipold/Tsambikakis/Zöller (Hrsg.): Strafgesetzbuch, Anwaltkommentar (Heidelberger Kommentar). 2. Auflage. 2015. 

Beiträge in Zeitschriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Putzke: Die strafrechtliche Relevanz der Beschneidung von Knaben. Zugleich ein Beitrag über die Grenzen der Einwilligung in Fällen der Personensorge. In: Putzke et al. (Hrsg.): Festschrift für Rolf Dietrich Herzberg. 2008, S. 669–709 (PDF; 7,12 MB). 
  • Putzke/Scheinfeld/Klein/Undeutsch: Polygraphische Untersuchungen im Strafprozess. Neues zur faktischen Validität und normativen Zulässigkeit des vom Beschuldigten eingeführten Sachverständigenbeweises. In: Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschaft 121 (2009). 2009, S. 607–644. 

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Experte für Kriminologie und Medizinstrafrecht. In: Passauer Neue Presse. 22. April 2010, S. 26 (online). 
  2. Universität eröffnet Institut für Rechtsdidaktik. (online). 
  3. ↑Holm Putzke auf der Homepage der EBS Universität für Wirtschaft und Recht[1], abgerufen am 22. August 2016
  4. ↑Webseite der Juristischen Fakultät der Universität Passau
  5. ↑NRW-Landtagsdrucksache: Dokumenten-Nr. (Stellungnahmen) 14/1439
  6. Experten uneins bei Informationsaustausch zwischen Strafverfolgungsbehörden der EU. (online). 
  7. ↑Kurzdarstellung im Internetauftritt der Giordano-Bruno-Stiftung, abgerufen am 18. September 2012
  8. ↑http://www.rad-net.de/nachrichten/radsport-gemeinsam-erleben-bdr-verabschiedet-auf-seiner-jahrestagung-neues-leitbild;n_35585.html
  9. ↑Christine Pierach,Karin Seibold: Bluttat in Freyung: Das Urteil gegen Dominik R. ist gesprochen, Passauer Neue Presse vom 12. November 2017
  10. ↑Kurzbiografie auf der Webseite der Universität Passau
  11. ↑Kurzbiografie auf der Webseite der CSU Passau-Stadt
  12. ↑Kurzbiografie auf der Webseite der Universität Passau
  13. Holm Putzke zum neuen CSU-Kreisvorsitzenden gewählt, PNP vom 23. Mai 2017
  14. ↑Website des CSU-Arbeitskreises AKJ
  15. "Der ist fällig": Was CSU-Mitglieder über Seehofer sagen, Süddeutsche Zeitung vom 26. September 2017
  16. ↑Holm Putzke: Die strafrechtliche Relevanz der Beschneidung von Knaben (PDF-Datei; 7,12 MB); Festschrift für Herzberg, 14. Februar 2008, Website von Holm Putzke, abgerufen am 10. September 2012
  17. ↑Matthias Ruch: Gericht stellt religiöse Beschneidung unter Strafe (Memento vom 27. Juni 2012 im Internet Archive); Financial Times Deutschland, 25. Juni 2012, abgerufen am 2. Juli 2012.
  18. ↑Jost Müller-Neuhof: Chronik einer beispiellosen Debatte; Tagesspiegel, 20. August 2012, abgerufen am 20. August 2012.
  19. ↑Miriam Eckert: Ist das Beschneidungsgesetz verfassungswidrig? Passauer Strafrechtler kritisiert Geringschätzung der Kinderrechte – „Gesetz ebnet Mädchenbeschneidern den Weg“, Passauer Neue Presse vom 2. Februar 2013, Seite 28.
  20. ↑Christian Rost: Wegen Beleidigung: Staatsschutz durchsucht Kinderzimmer, Süddeutsche Zeitung vom 19. April 2013
  21. ↑Resolution deutscher Strafrechtsprofessorinnen und -professoren an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages: [2]
  22. ↑Spiegel Online: „Cannabis-Konsum in Deutschland: Strafrechtler wollen Drogen-Gesetze reformieren“, 7. April 2014
  23. ↑Heribert Prantl: „Allianz für ein liberales Drogenstrafrecht“, Süddeutsche Zeitung vom 7. April 2014
  24. ↑Strafrechtsprofessoren starten Cannabis-Petition: „Wissenschaftlich und ideologiefrei überdenken“: [3], Legal Tribune Online vom 2. Dezember 2013
  25. ↑Bayerisches Fernsehen, Bürgerforum Live http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/buergerforum-live/buergerforum-cannabis-freigabe-legalisierung-wendt-polizeigewerkschaft-janecek-gruene-100.html (Memento vom 25. März 2015 im Internet Archive)
  26. ↑Laura Schmidt: [4], pnp campus vom 23. Mai 2015
  27. ↑Christine Schönfeld: Taugen Lügendetektoren als Beweismittel? [www.mdr.de/fakt/polygraf100-download.pdf] (PDF), FAKT 16. Juli 2013
  28. ↑Gabriele Boos-Niazy: Sorge um das Kindeswohl oder Widerstreit zweier Lebenskonzepte?, MiGAZIN vom 18. Juli 2012
  29. Driburger missbrauchte Töchter des Nachbarn, Neue Westfälische 11. Mai 2011
  30. ↑Amtsgericht Bautzen, Urteil vom 26. März 2013, Az.: 40 Ls 330 Js 6351/12, BeckRS 2013, 08655 http://www.jura.uni-passau.de/fileadmin/dateien/fakultaeten/jura/lehrstuehle/putzke/AGBautzen40Ls330Js6351-12.pdf
  31. Vergewaltigungs-Prozess: Lügendetektor sorgt für einen Freispruch[5], BILD, 23. März 2013
  32. ↑Thomas Heitz, Andreas Hartung, Franz Wilhelm Dollinger: Beschluss des BVerwG vom 21. Juli 2014 – 2 B 20.14. BVerwG, 31. Juli 2004, abgerufen am 23. April 2017 (PDF, im Anschluss an Beschluss des BGH vom 30. November 2010 – 1 StR 509/10). 
  33. ↑AG Bautzen, Urteil vom 26.10.2017 - 42 Ds 610 Js 411/15 jug, BeckRS 2017, 138202
  34. Stellungnahme deutscher Strafrechtslehrerinnen und Strafrechtslehrer zur geplanten Ausweitung der Strafbarkeit der Sterbehilfe, Stand: 14. Mai 2015
  35. ↑Hans Kratzer: Wie kann dieser Wahnsinn passieren?, Süddeutsche Zeitung vom 22. Mai 2015
  36. ↑Jochen Zenthöfer: Flüchtlingspolitik - Macht sich Merkel strafbar? FAZ vom 10. Oktober 2015
  37. Strafrechtler: Kanzlerin Merkel macht sich mit Flüchtlingspolitik strafbar Focus vom 10. Oktober 2015
  38. 400 Strafanzeigen gegen Merkel! Was ist dran am Vorwurf des Hochverrats? Focus Online vom 29. Oktober 2015
  39. ↑Christian Bommarius: CSU und AfD blamieren sich im Kampf gegen Merkel Kölner Stadtanzeiger vom 12. Oktober 2015
  40. ↑Ramona Ambs: Rechtlich nur voll fett korrekt schleusen, Alta!, hagalil vom 11. Oktober 2015/28 Tischri 5776
  41. ↑Holm Putzke: [6]Passauer Neue Presse, Passauer Gespräch, 5. Dezember 2015, Nr. 283, S. 18
  42. ↑Franz Danninger: „Dann wird es auch für Angela Merkel problematisch“, Passauer Neue Presse vom 5. Dezember 2015, Nr. 283, Seite 18
  43. ↑Alexander Peukert, Christian Hillgruber, Ulrich Foerste, Holm Putzke: Die Flüchtlingskrise kann rechtsstaatlich bewältigt werden.Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. Februar 2016
  44. ↑„Ein fatales Signal“, Burghauser Anzeiger vom 18. Mai 2016 (wiedergegeben auf der Webseite der CSU Burghausen)

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